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Sieben
Tore, sieben Nächte

So viele
sind es ja Dank unserer tapferer Recken nicht geworden.
Stattdessen gab es nur sechs eingeschenkt und somit auch für
mich sechs Nächte, die ich darüber schlafen musste,
bis ich einen Bericht verfassen konnte, der nicht
ausschließlich aus Fäkalausdrücken besteht. So kann ich nun
gut gelaunt in gnadenloser Euphorie ob des morgigen
Highlights über das referieren, was sich am letzten Sonntage
in einer fahrigen Erinnerung zugetragen haben könnte.
Der Tag begann nichts böses ahnend far away in Hannover, wo
wir mit dem Wochenendticket die erste große Auswärtsfahrt
der Saison angehen wollten. Mit Mettbrötchen im Gepäck ging
es also los und bis Krefeld hatten wir auch echtes
Uerdingen-Feeling, wir waren nämlich zu zweit unterwegs. Von
Krefeld an, stieß dann das ganze Ultralala-Gedöns samt den
restlichen Unverbesserlichen zu und bei einigen Bier und der
Perspektive nach Jahren wo ich nicht wusste, welches von den
beiden Stadien die da in Gladbach direkt nebeneinander
liegen, welches ist, endlich beide zu haben, war ich, ja -
Schande über mein Haupt - guter Dinge und leicht
hoffnungsfroh, einen nicht total katastrophalen Tag erleben
zu müssen. Erste kleinere Anzeichen, dass diese Hoffnung
bitter enttäuscht werden könnte, taten sich schon kurze zeit
später auf. Zunächst ließ der Zugfahrer verlauten, wir
müssten nun am Hbf, statt in Rheydt aussteigen, da die
Polizei das gerne so möchte. Nach einigen Diskussionen
darüber entschied man sich, dieser Aufforderung aus Sorge
vor Oberhausen-ähnlichen Polizeisperren nicht nachzukommen,
trotz einiger Einwände: "Der Zugfahrer hat aber gesagt!" Und
wie das so ist, alle wollten sitzenbleiben, und alle stiegen
aus, der Mensch ist halt ein Herdentier und kein hirnloser
Lemming. Der befürchtete Sicherheitskessel blieb uns dann
unerwarteterweise doch erspart, sodass die Busfahrt
eigentlich recht akzeptabel hätte sein können, wäre nicht
der erste Honk, der eingestiegen war, vorher noch durch
einen beachtlichen Haufen HundeAA stolziert, um dann
konsequent die aufgenommene Ladung von vorne bis ganz hinten
durch den Bus zu verteilen. Atmung durch die Nase war fortan
selbst für Oppumer unmöglich, durch den Mund lief das Bier,
also wurde die Sauerstoffzufuhr erstmal eingestellt. Das
hatten unsere Spieler wohl schon einige Tage vorher gemacht,
wie sonst kann man erklären, dass man trotz eigenem Anstoß
schon 2:0 hinten liegt, bevor Kalle auch nur den ersten
Schlachtruf anstimmen konnte. So orientierten wir uns
alsbald Richtung Bierstand, und nach einigen Debatten hatten
uns die zuständigen Platzanweiser auch erläutert, was "freie
Platzwahl" in sozialistischen Regierungsformen zu bedeuten
hat. Selbst unsere sonst stets dezent übermotivierten
szenekundigen Staatsbeamten durchschauten das System nicht.
Wirklich aufregen konnte einen das natürlich nicht mehr,
lagen wir ja mittlerweile gefühlt zweistellig hinten, aber
ein akutes Stadionverbot hätte ich mir dann doch beinahe
eingehandelt, wusste ich doch nicht, dass man Ordner mit
Mützen nicht auslachen darf. Da sein Ausweiseantrag aber von
den umstehenden Sicherheitskräften als leicht überzogen
abgelehnt wurde, durfte ich mir auch noch die letzten acht
Gegentore anschauen. Davon waren dem Nicki wegen Staus zwar
zwei entgangen, besser drauf war er trotzdem nicht. Aber wie
es in Gladbach ja so schön heißt:
"Die
Hoffnung stirbt zuletzt, Dummheit nie!"
Also
vielleicht lernen ja noch ein bis drei unserer Kicker das
Fußballspielen, vielleicht ließt sich der Alex noch ein ein
halbes Flugblatt über Spielsysteme, Taktik oder Hartz IV
durch, und vielleicht behalten wir mit ganz viel Glück ja
doch noch Platz 11 im Visier, oder halt doch Kapellen-Erft.

Irgendwann steigen alle auf Landfürst um, nur wo ist der
Öffner?

Endlich das Grenzland-Stadion!

Jeder Abstieg hinterlässt seine Spuren.

Da sah es noch gut aus, Ränge wie Tore leer.

Der Todesstreifen im Grenzland, wer hier angetroffen wird,
hat nichts mehr zu vererben.



Das gab es auch, der Ball mal nicht in unserem Gehäuse.

Am Bierstand war mittlerweile die Hölle los.

Der Fußballgott als Vorbild, genau wie die Jungs auf dem
Platz.

Die Stimmung wurde mit jedem Tor besser, oder mit jedem
Bier?

Andernorts machte sich schon leichte Resignation breit.

Subversive Elemente haben die Sperrzone gestürmt, die Vopo
ist machtlos!

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